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Breathe

Ideen mit großem Herz

Atmen
Ideen mit großem Herz

Text: Sandra Pfeifer

Fotos: Sabine Hoffmann, TEAM.BREATHE.AUSTRIA

Am Anfang eines jeden Projekts steht eine gute Idee. Und die ist selten der Geniestreich eines Einzelnen. Schon gar nicht, wenn es um deren Umsetzung geht. Das weiß auch das Kernteam um Breathe Austria mit Klaus K. Loenhart, Bernhard König, Lisa Maria Enzenhofer, Karlheinz Boiger, Andreas Goritschnig, Markus Jeschaunig und Anna Resch.
Erst, als sich ihre Vorstellungen zu einer konkreten Vision zusammenfügten, kam die wahre Herausforderung auf sie zu. Und die sah ungefähr so aus: 2550 m3 Erde, 180 m2 Moose, 350 Forstgehölze, 240 Stunden Recherche im Wald, 58 Reisen nach Mailand, 87 durchgearbeitete Nächte, 14.000 E-Mails (pro Person), 85 kg Äpfel, 70 kg Karotten; Ausdauer, Überzeugung, und den einen oder anderen glücklichen Zufall.
Lisa Enzenhofer und Bernhard König erzählen uns, warum eine gute Idee auch einem großen Herz bedarf, um sie zu verwirklichen.

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v.l.n.r.: Andreas Goritschnig, Markus Jeschaunig, Lisa Maria Enzenhofer, Klaus K. Loenhart, Bernhard König, Anna Resch, Karlheinz Boiger

Wie habt ihr euch als Team zusammengefunden?

LE/BK: Wir kannten uns von der TU Graz, wo alle Teammitglieder am Institut für Architektur und Landschaft tätig waren bzw. sind. Das Projekt ist spontan entstanden, aus einer Mittagspausenaktion im Sommer 2013, die wir dann noch in der Bar bis in die späten Nachtstunden ganz intensiv diskutierten; und über das, was Österreich bei der Expo darstellen kann. Es war sozusagen die Geburtsstunde des TEAM.BREATHE.AUSTRIA.

 

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Die Idee einen Wald zu bauen, wie seid ihr letztendlich darauf gekommen?

LE: Das war das Ergebnis vieler kleiner Momente… Wir wollten zum Einen eine klare Botschaft setzen. Die Essenz dessen herausarbeiten mit etwas, das mit der Biospähre in Verbindung steht, das mit der Welt agiert und das über die Expo hinausgeht.
Gleichzeitig ist uns ein Zitat von Autor Tor Norretranders untergekommen: When you take a breath, you touch a part of the planet with the inside of your body. Mit unserem gemeinsamen Background Wissen rund um Wald und Ökologie sind wir bei der Luft angekommen. Dem Nahrungsmittel, das wir am Dringensten brauchen. Damit wurde uns auch klar, dass wir unbedingt einen Wald bauen müssen.
Einen anderen wichtigen Impuls hat der Bernhard beigesteuert, als uns erzählte, wie er mit seinen Eltern das erste Mal von Ostdeutschland nach Österreich gekommen ist…

BK: Mein erstes Österreich-Erlebnis war tatsächlich frische, saubere Luft. Wir hatten damals, es war Anfang der 1990er Jahre, den ganzen Tag im Stau gesteckt. Dann, endlich in Österreich angekommen, ist mein Vater aus dem Auto ausgestiegen, hat tief durchgeatmet und einen Freudenschrei losgelassen. Und dann haben auch wir die Tür aufgerissen und sind aus dem Auto gesprungen. Deshalb ist für mich ist der Atem in diesem Projekt identitäststiftend für Österreich.

Euer Team ist nach der Konzeption rasant angewachsen mit tollen Leuten wie Bernhard Scharf (BOKU Wien), Wolfgang Kessling (Transsolar), Sam Auinger (Auditive Design) bis Alfred Janousek (Raintime), die Ihr Fachwissen beigetragen haben. Was war für euch dabei die größte Herausforderung und was hat am meisten Spaß gemacht?

BK: Das Schöne am Projekt war, das es im Laufe der Umsetzung immer mehr geschärft wurde durch unser tolles Netzwerk an Profis, die wir schon aus anderen Projekten kannten und deshalb von Anfang an wussten, dass die Umsetzung unserer Idee machbar ist. Nur durch sie war es überhaupt erst möglich, das alles in so kurzer Zeit umzusetzen. Aber ohne die Leidenschaft für das Thema vom Kernteam hätten wir das wohl nie geschafft. Die klassischen Arbeitsabläufe haben sehr schnell nicht mehr funktioniert, was alle Beteiligten erfahren mussten.

Vielmehr entstand das Projekt in einem gleichzeitigen Miteinander unterschiedlichster Disziplinen. Unser Netzwerk ist dabei exponentiell mitgewachsen. Jeder brauchte zusätzliche Unterstützung, die in entscheidenden Fragen weiterhelfen konnte. Es waren so viele Experten involviert, die alle zusammenspielen mussten, das ist sehr aufwendig.

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Wie hat euch das geprägt?

BK: Wir haben dabei vor allem inhaltlich sehr viel gelernt. Ich hatte das Glück, bereits vorher einige komplexe Projekte mitverantwortet zu haben. Deshalb hat es mir schon geschwant, was da auf uns zukommen wird. Die spannendsten Schlüsselmomente waren immer wieder jene Aha-Erlebnisse in denen uns klar wurde, dass wir eine neue Stufe gezündet haben und noch weit weg sind vom Ende … und man sich über legt, ob man den Kopf einziehen soll oder die Nase weiter in den Wind halten. Besonders geprägt hat uns die Leidenschaft und auch die Leidensfähigkeit im Team. Bei so einem Unterfangen hilft nur ein großes Team mit einem großen Herz.

Was bedeutet Atmen für euch?

LE/BK: Durchatmen. Bewusst atmen, ganz nach dem Breathe-Zitat. Alle Lebewesen stehen in Verbindung. Sich dessen auch bewusst sein, wenn man mit jemandem länger im Raum sitzt, dass man die Luft mit seinem Gegenüber teilt, das man das einatmet, was der Andere ausatmet. Sich das einmal wirklich ganz bewusst zu machen, wie wir uns wirklich mit unseren Mitmenschen, unserer Umwelt austauschen, wenn man so will. Wieviel Informationen in der Luft enthalten sind – von Nährstoffen bis Schadstoffen. Luft

 

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Eure Lieblingsplätze in Österreich?

LE: Das Gesäuse. Dort waren wir unterwegs um die Waldökotypen für den Pavillon zu recherchieren… Die Landschaft dort ist rauh, klar… nicht so überlaufen.

 

Ein Nahrungsmittel, auf das Ihr nicht verzichten könnt?

BK: Die gute Luft.
LE: Äpfel und Karotten. Die haben wir im Koffer aus Graz mit auf die Baustelle gebracht.

 

Ein Grund, außer dem Pavillon, nach Mailand zur Expo zu fahren?

LE: Wenn man die Expo unter dem Blickwinkel der gemeinsamen Aufgaben sieht, die wir für die Zukunft zu meistern haben, ist sie schon ein wichtiger Ideengeber. Soweit wir das beim Aufbau des Pavillons miterleben durften, ist es wahnsinnig spannend, die verschiedenen Herangehensweisen an das Expo Thema Feeding the World. Energy for Life zu sehen. Genau diese Diversität, das Miteinander der verschiedenen Nationen, ist eigentlich der Reiz an der Expo.

 

Gibt es ein Wunschziel von euch mit dem Pavillon? Was sollen sich die Leute mitnehmen?

LE/BK: Ein Bewusstsein, wie wichtig die Luft ist. Und was so ein Waldstück kann.
Das spürt man im Pavillon sehr. Wenn die Leute hinein kommen, dann staunen sie erst einmal.Es ist ruhig, angenehm kühl… es riecht nach Wald und der schafft eine Atmosphäre, einen ganz emotionalen Moment. Wir haben deshalb mit Absicht keine Displays vorgesehen, sondern wollten eine bewusst sinnliche Interaktion mit der Natur erzeugen. Wir können immer weniger umgehen mit unserer Sinneswahrnehmung.

 

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Und wie kann sich ein solches Bewusstsein auf das tägliche Leben übertragen?
LE: Ein besseres Verständnis über die alltäglichen Dinge, sodass man anders handelt. Dass man weniger mit dem Auto fährt, mehr darauf achtet, welches Essen man kauft, welche Energie man bezieht, welche Politik man unterstützt… ganz grundlegende Dinge eben können unsere Biosphäre schützen.