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Breathe

Grosses Kino [AUT] in the wild

Einatmen

Grosses Kino [AUT] in the wild

Text: Pia Buchner
Titelbild: ÖBf-Archiv/ Franz Pritz

Großer Ahornboden kurz vor Sonnenaufgang. Langsam schwenkt die Kamera von den Bergwänden über den Talboden bis zur Bärenwand, die den Talkessel umschließt. Die ersten Gipfel sind schon in rosa getaucht, bald wird der mächtige Bergrücken in allen Sonnenfarben strahlen – what a scenic place. Der Talboden mit seinen Jahrhunderte alten Bergahornen und Almhütten liegt noch dunkel im Schatten. Ein tiefes Rauschen geht durch den Blätterwald – breeeeeathe.

Szenenwechsel. Klaus Hens arbeitet sich durch einen Stapel an Anfragen. Das Telefon läutet. „Wir suchen eine Waldlichtung mit Bach und Hochgebirge im Hintergrund,“ so die Anfrage einer Wiener Filmfirma. „Maximal eine Stunde Fahrzeit von Wien.“ Wann gedreht werden soll? „Wenn die Wetterbedingungen passen – übermorgen.“ Hochgebirge in Stadtnähe? Könnte schwierig werden. Klaus Hens schaut aus dem Fenster, sein Blick schweift über die grünen Kuppen des Wienerwalds. Prüfend schaut er auf die Revierkarte – Kierling, Klausen, Weidlingbach? Stadlhütte, Schöpflgitter oder Hinterbrühl? Eilig greift er zum Hörer, bespricht sich mit Förstern und Revierleitern, die „ihren“ Flecken Wald wie die sprichwörtliche Westentasche kennen. Ist die Location mal gefunden, geht’s erst an die Details: Liegt der Schauplatz in einem Jagdgebiet? Gelten naturschutzrechtliche Bestimmungen? Gibt es eine Forststraße? Kann die Crew bis zum Drehort zufahren? Läuft ein Holzeinsatz in forstlichem Sperrgebiet? Erst wenn Klaus Hens grünes Licht gibt, heißt es: Film ab! Kamera läuft.

BREATHE Jagdschloss Eckartsau (c) OEBF_Archiv

Historischer Schauplatz vor herrschaftlicher Kulisse – das Jagdschloss Eckartsau im Nationalpark Donau-Auen, heute von den Österreichischen Bundesforsten sorgsam bewahrt. Credit: ÖBf-Archiv

Anfragen wie diese gehören zum Tagesgeschäft von Klaus Hens, der bei den Österreichischen Bundesforsten den Bereich Kreativwirtschaft, bekannt auch als „Wild.Media“, betreut. „Mittlerweile wird an rund 200 Tagen im Jahr auf unseren Naturschauplätzen gedreht,“ bestätigt er Österreichs Ruf als Filmland. Reizvolle Landschaften und vor allem alpine Kulissen ziehen Filmschaffende aus aller Welt in ihren Bann. „Die meisten Produktionsanfragen kommen derzeit noch aus Österreich und dem deutschsprachigen Raum, einige aber auch aus Übersee.“ Auf den rund 860.000 Hektar, die die Österreichischen Bundesforste bewirtschaften, finden sich so ziemlich alle Film-Motive, die sich ein Outdoor-Scout nur wünschen kann: Schnee verwehte Gipfel und kristallklare Seen, finstere Täler und grüne Almen, Baumriesen und Eishöhlen, düstere Moore und tosende Wasserfälle, Märchenwälder und Au-Paradiese ebenso wie historische Jagdhäuser oder urige Holzknecht-Hütten.

Filmdreh

Wild.Media-Schauplatz vor alpiner Kulisse im Toten Gebirge. Credit: Thomas Kranabitl

„Besonders beliebt sind Gletschergebiete wie der Hintertuxer oder der Stubaier Gletscher, nicht zuletzt wegen ihrer Schneesicherheit, aber auch klassische See-Gegenden wie das Salzkammergut rund um den Altausseer See,“ erklärt Hens, der zu Location-Besichtigungen schon mal mit Skiern ausrückt. Die Suche ist gratis, wird eine Location gefunden, fällt eine Lizenzgebühr an. Rund 1.200 Euro kostet die Filmlizenz für einen Tag für Spielfilme, Werbedrehs oder Unterhaltungssendungen. Lizenzen für Dokumentarfilme kosten mit rund 650 Euro pro Tag etwa die Hälfte. Aufnahmen für nicht-kommerzielle Zwecke wie Hochzeitsfotos oder Schul- oder Studentenprojekte sind grundsätzlich kostenfrei.

„Nicht immer können wir alle Wünsche erfüllen, etwa einen zugefrorenen See oder eine verschneite Landschaft im Sommer – alles schon da gewesen“, so der Location-Profi von den Bundesforsten und bestätigt: „Ja, das Wissen um die Natur und ihre Zusammenhänge geht immer mehr verloren. Das war mit ein Grund, warum wir die Initiative WILD.MEDIA ins Leben gerufen. Wir wollen die Dreharbeiten wieder in ökologische Bahnen lenken und dieses verloren gegangene Wissen neu vermitteln.“ Dreh- und Aufnahmeplätze werden einem Öko-Check unterzogen, ökologisch sensible Standorte von vornherein ausgeschieden und die Aufnahmen naturschutzfachlich begleitet.

BREATHE Die Bergwacht (c) Thomas Kranabitl

Einsatz im Steilgelände – Dreharbeiten zur TV-Serie „Die Bergretter“ am Loser-Gebirge, Ausseerland. Credit: Thomas Kranabitl

„Ein respektvoller Umgang mit der Natur ist uns wichtig – sensible Flächen wie Moore oder Seeuferbereiche mit Schilf- und Laichzonen sollen durch die Dreharbeiten keinen Schaden nehmen und die Wildtiere nicht gestört werden. Zur Hirsch-Brunftzeit etwa sind Aufnahmen tabu. Brutplätze insbesondere von Bodenbrütern werden gemieden oder großräumig umfahren, auch sind Balzzeiten oder gesetzlich vorgegebene Schonzeiten einzuhalten“, erklärt Hens die Hintergründe und fügt mit leichtem Stolz hinzu: „Das Know-how und das Wissen um die Natur unterscheidet uns von anderen Anbietern.“

Wenngleich die Anfragen oft kurzfristig hereinkommen, kann sich die Suche nach dem perfekten Drehort schon mal in die Länge ziehen. „Für die Verfilmung des Literatur-Klassikers Die Wand von Marlen Haushofer mit Martina Gedeck in der Hauptrolle wurde über zwei Jahre intensiv nach einem Drehort gesucht“, erzählt Klaus Hens. „Der Drehort sollte exakt der Romanvorlage entsprechen: eine abgelegene Jagdhütte im Gebirge, mit Brunnen vor der Tür bis hin zum Ofen in der Stube – alles bis ins kleinste Detail wie im Roman beschrieben. Landauf, landab haben wir nach dem perfekten Schauplatz gefunden, bis wir schließlich in einem Bundesforste-Revier am Fuße des Dachsteins fündig wurden. Wiesen, Wälder, Waldlichtungen, eine Alm und eine Waldhütte, in der die Protagonistin ihre Robinsonade verbringt – die Anforderungen an die Location waren hoch gesteckt.“ Die gefundene Jagdhütte samt Umgebung war perfekt – jedoch verpachtet. Sie war Teil eines Jagdreviers, das zu diesem Zeitpunkt an einen Jagdpächter verpachtet war. „Der beharrlichen Überredungskunst des Regisseurs Julian Pölsler war es zu verdanken, dass der Jagdpächter schlussendlich doch einwilligte und die Hütte für die Dreharbeiten zur Verfügung stellte,“ gibt Hens einen Einblick hinter die Kulissen.

BREATHE Gedeck_Pölsler (c) Alfons Kowatsch_coop99

Hauptdarstellerin Martina Gedeck mit Regisseur Julian Pölsler und Film-Hund „Luchs“ bei den Dreharbeiten zu „Die Wand“ in Gosau/ Salzkammergut. Credit: Alfons Kowatsch/ coop99

BREATHE Bad_Fucking (c) Thomas Kranabitl

Österreichischer Kult-Film von Harald Sicheritz „Bad Fucking“ nach einem Roman von Kurt Palm. Credit: Thomas Kranabitl

 

Gedreht wurde dann ein Jahr lang an rund fünfzig Drehtagen zu allen vier Jahreszeiten. Die Kulisse zeichnet sich durch wilde Schönheit und unberührte Natur aus. Eingebettet in die alpine Gebirgslandschaft des oberösterreichischen Salzkammerguts liegt Gosau am Fuß des imposanten Gosaukammes, umgeben von dunklen Wäldern und steilen Felsflanken. „Die Natur erlangt im Film Die Wand eine ganz besondere Bedeutung: Sie ist viel mehr als nur Kulisse, sie wird selbst zur ,Darstellerin’ und findet sich in einer wortlosen, aber umso bildgewaltigeren Nebenrolle wieder“, zeigt sich Hens von Pölslers cineastischem Meisterwerk beeindruckt.

So entstand auf ÖBf-Flächen etwa der Kult-Film „Bad Fucking“ von Harald Sicheritz, dem das malerische Salzkammergut mit Drehorten am Hinteren Langbathsee, dem idyllischen Rettenbachtal oder dem Wolfgangsee als Kulisse diente. Die Gebirgswelt des Dachstein wiederum war Schauplatz der TV-Serie „Die Bergretter“ (vormals: „Die Bergwacht“), deren dramatische Einsätze unter anderem am Stoderzinken bei Gröbming, dem Totenstein bei Forstau und der Ewigen Wand bei Bad Goisern gedreht wurden.

Dass Österreichs Naturkulisse auch international zum Kassenschlager taugt, zeigt die jüngste Verfilmung eines der größten Filmklassikers aller Zeiten: Erst kürzlich wurden die Dreharbeiten für die neueste James Bond-Verfilmung im Ausseerland abgeschlossen. Schauplatz war die am Fuße der imposanten Trisselwand liegende Seewiese am Altausseer See, die sich inmitten des Bundesforste-Reviers Bad Aussee befindet. Kinostart des Kult-Streifens mit Austro-Kulisse: voraussichtlich November 2015.

Seewiese am Altausseer See, jüngst Schauplatz des neuesten James Bond-Streifens, der voraussichtlich ab November 2015 in die Kinos kommt. Credit: Thomas Kranabitl

Seewiese am Altausseer See, jüngst Schauplatz des neuesten James Bond-Streifens, der voraussichtlich im November 2015 in die Kinos kommt. Credit: Thomas Kranabitl